1: Die Kraft der Neugier: Wie sie deine Motivation nährt und deine Schatzkammer füllt

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Der Podcast startet mit einer Serie zu den besonderen Eigenschaften und Kräften kreativer Menschen. In jeder Podcastfolge gibt es auch eine kreative Übung, die dir hilft, deine kreativen Kräfte zu reaktivieren und dich von hindernden Glaubenssätzen zu befreien.

Die erste kreative Kraft, die Neugier, wird meist unterschätzt. Aber für Kreative hat sie drei sehr wichtige Aufgaben. Was das für Aufgaben sind, was das mit dem episodischen Gedächtnis zu tun hat, warum die meisten von uns ihre Neugier eingedämmt haben und wie sie wieder reaktivieren kannst, darum geht es in dieser Podcast-Folge.


Warum gehört Neugier zur Kreativität wie der Pinsel zur Wasserfarbe?

Hin und wieder schau ich in meinem Browser, was ich in den letzten 30 Tagen so in in den Suchmaschinen eingegeben habe und das ist manchmal ziemlich lustig. Im Nachhinein weiß ich nämlich oft gar nicht mehr, warum ich nachgeschaut habe, was passiert, wenn man einen Bären im Winterschlaf weckt. Oder ob Charlotte Brontë verheiratet war. Das hatte gar nichts mit meiner Arbeit zu tun, mein Gehirn hatte einfach das Bedürfnis nach dieser Information und ist dem nachgegangen. Früher kam ich mir wegen meiner vielen und nicht immer zusammenhängenden Interessen oft doof vor. Aber inzwischen weiß ich, dass die Neugier eine unserer wichtigsten kreativen Kräfte ist. Und zwar aus drei Gründen.

  1. WIR BRAUCHEN DIE NEUGIER, UM ZU LERNEN.

Die meisten von uns haben in ihrem Leben wohl irgendwann so Sachen gehört wie: “Frag doch nicht so viel”. “Du musst doch nicht alles wissen”. “Steck deine Nase nicht in Angelegenheiten, die dich nichts angehen”. Oder auch: “Das verstehst du noch nicht. Das ist nichts für Kinder”. Und die meisten haben dann begriffen, dass Neugier in unserer Gesellschaft nicht so gerne gesehen wird. Und das Wort: Neu-Gier sagt das ja eigentlich schon: Dass es um eine Gier geht, um etwas das zuviel ist. Das Wort an sich hat schon einen negativen Beiklang.

Wir brauchen Neugier, um zu lernen und kreativ zu sein.

Wir brauchen Neugier, um zu lernen und kreativ zu sein.

Wir brauchen Neugier, um zu lernen und kreativ zu sein.

Und das ist wahnsinnig schade. Denn eigentlich geht es dabei um das Interesse an der Welt. Um das ursprüngliche Interesse, die Welt kennenzulernen, das kennenzulernen, was man noch nicht kennt. Sich für das zu öffnen, was man noch nicht kennt. Und das ist wahnsinnig wichtig, sowohl für unsere Fähigkeit zu lernen, als auch für unsere Fähigkeit, kreativ zu sein.

Neugier lässt uns die Welt erkunden und Erfahrungen sammeln.



Neugier lässt uns die Welt erkunden und Erfahrungen sammeln.

Neugier lässt uns die Welt erkunden und Erfahrungen sammeln.

Dieses ursprüngliche Interesse, die Welt kennenzulernen, ist in jedem von uns angelegt. Früher dachte man, dass das erst später im Leben kam, vielleicht in dem Moment, wo Kinder Fragen stellen konnte und des den Erwachsenen dadurch bewusst wurde. Doch heute sieht man in der Säuglingsforschung Neugier als etwas, das uns quasi schon mit der Geburt mitgegeben wurde. Und dass eben der Säugling schon neugierig ist. Und das ist auch notwendig. Denn um zu lernen, braucht man einen gewisse Neugier. Wer sich für nichts interessiert und das, was er noch nicht kennt, nicht kennenlernen will, kann nicht lernen. Und Neugier ist deshalb so wichtig in unserer Entwicklung und in unserem Lernen, weil sie uns antreibt, die Welt zu erkunden und zu lernen. Entweder einfach mit Blicken, beobachtend. Oder aktiv untersuchend, indem wir etwas wirklich probieren, darauf herumkauen, es schmecken oder schütteln und auf tausenderlei Weise experimentieren. Und später dann natürlich, indem wir Fragen stellen und mit anderen kommunizieren, weil wir etwas herauskriegen wollen, über uns, über die anderen, über die Welt. Und noch später dann mit Büchern oder Google, um eben mit technischen Mitteln Informationen zu sammeln.

Aber ursprünglich ist da eben dieses offen in die Welt schauen. Das was wir noch nicht kennen, kennenlernen wollen. Das was wir noch nicht können, ausprobieren wollen. Das ist erst mal wichtig, um überhaupt unsere Fähigkeiten und unser Wissen zu entwickeln.



2. NEUGIER MACHT UNS EINZIGARTIG UND LÄSST UNS EINEN EINZIGARTIGEN SCHATZ AN INFORMATIONEN SAMMELN.

Das semantische Gedächtnis ist wie ein Aktenschrank nach semantischen Kategorien sortiert.

Neugier verhindert, dass wir alle nur das gleiche im Kopf haben. Ohne den Drang, unseren eigenen Fragen nachzugehen, würden wir nur das lernen, was uns in der Schule angeboten wird. Nur den Schulstoff. Oder das, was unsere Eltern uns so antragen. Und dann hätten wir am Ende alle mehr oder weniger das gleiche Wissen. Doch dadurch, dass wir eben unsere eigenen Fragen verfolgen, das was uns ganz persönlich interessiert, sammelt jede von uns, jeder von uns, ein einzigartiges Wissen. Was darunter liegt, ist, dass wir eine Schatzkammer anlegen. Einen ganz persönlichen Schatz an Informationen. Und dieser Schatz hat auch einen Platz im Gehirn und das ist das episodische Gedächtnis.

Das episodische Gedächtnis ist ein Netz aus Informationen und Erfahrungen .

Das semantische Gedächtnis ist wie ein Aktenschrank nach allgemeingültigen Kategorien sortiert.

Das semantische Gedächtnis ist wie ein Aktenschrank nach allgemeingültigen Kategorien sortiert.

Wir haben im Gehirn nämlich zwei Arten, wie wir Informationen speichern können und erinnern können. Die eine Art können wir uns vorstellen, wie so einen Aktenschrank. Oder einen Karteikasten. Das ist das semantische Gedächtnis. Darin wird das, was wir erinnern, in Kategorien festgehalten. Alfabetisch oder nach Jahreszahlen sortiert. Oder nach Stichworten. Und wenn man dann zum Beispiel “1989” ruft, dann kommt aus diesem Gedächtnis die Antwort “Fall der Mauer”.

Das episodische Gedächtnis ist ein Netz aus Wahrnehmungen und Erfahrungen

Das episodische Gedächtnis ist ein Netz aus Wahrnehmungen und Erfahrungen

Auf der einen Seite haben wir also diesen ordentlichen Aktenschrank - und auf der anderen Seite haben wir das episodische Gedächtnis. Das kannst du dir vorstellen wie ein riesiges Netz. Denn im episodischen Gedächtnis erinnern wir die Sachen in ihrem Zusammenhang, als Episoden aus unserem Leben. Momente aus unserem Leben. Wir können uns das vorstellen wie Filmszenen, nur dass die quasi mit einer Kamera aufgenommen werden, die nicht nur Bild und Ton kann, sondern auch noch Geruch und Geschmack, und Haptik, also das was man fühlt, wenn man etwas anfässt. Und auch noch Gefühle. Und das wird alles zusammen erinnert.

So kann es zum Beispiel sein, dass du an deinen zehnten Geburtstag denkst und dass du dich an die Torte erinnerst, wie sie geschmeckt und gerochen hat und vielleicht auch noch an den Hund, der einen Happen von der Torte genommen hat und du erinnerst dich an das Parfüm von deiner Tante und wie du mit der Oma geschaukelt hast und an den Streit mit deiner Freundin. Du erinnerst dich, was du von wem geschenkt bekommen hast und wie du dich dabei gefühlt hast. Ob du dich gefreut hast oder geschämt oder geängstigt in diesen Momenten.

Die Filmszenen im episodischen Gedächtnis

Die Filmszenen im episodischen Gedächtnis

Die Filmszenen im episodischen Gedächtnis

Im episodischen Gedächtnis sind die Sachen auf eine Weise miteinander verbunden, die mit unseren ganz persönlichen Bedeutungen zu tun hat. Da wird eben nicht nach allgemeinen Kriterien geschaut wie Jahreszahlen oder Stichworten, wie man sie in der Bibliothek haben könnte. Sondern danach, was für uns selbst Bedeutung hat. Und da kann es sein, dass zum Beispiel eine Verbindung besteht zwischen einer Muschel und einem Bären, weil du an einem bestimmten Tag eine Muschel gefunden hast und am gleichen Tag deinen Teddybären verloren hast. Und dann kann es sein, dass wenn jemand “Muschel” sagt, dass du dann an einen Bären denkst. Und jemand anders würde sagen: “Das hat doch gar keinen Zusammenhang” - doch du siehst eine Verbindung, die anderen nicht kennen. Durch deine Neugier und einzigartigen Interessen und Wahrnehmungen hast du einzigartige Verbindungen im Gehirn - die Vorausssetzung für alle kreative Arbeit.





3. DIE NEUGIER FÜHRT UNS ZU UNSEREN EINZIGARTIGEN THEMEN FÜR DIE KREATIVE ARBEIT.

Nur weil wir durch unsere Neugier einzigartige Erfahrungen ein episodisches Gedächtnis voll einzigartiger Verbindungen haben, kommen wir auf neue und besondere Ideen. Wir verbinden wir in unseren Büchern oder Gedichten oder Projekten andere Dinge als andere Menschen, weil sie eben für uns diese spezielle Bedeutung haben. Weil wir Sachen in der Schatzkammer haben und kombinieren können, die andere eben nicht zur Verfügung haben.

Unsere Neugier lässt uns eine einzigartige Mischung von Informationen und Erfahrungen sammeln

Unsere Neugier lässt uns eine einzigartige Mischung von Informationen und Erfahrungen sammeln

Einzelne Fragen mögen oft zufällig wirken. Der Bär im Winterschlaf, die Familiensituation von Charlotte Bronte. Aber im Laufe unseres Lebens verdichten diese Fragen sich zu Lebensthemen. Zu unserer kreativen Queste, jenem inneren Auftrag, der uns antreibt und motiviert.

Es ist ganz wichtig, dass wir uns diese Aufgabe der Neugier immer wieder bewusst machen. Damit wir uns nicht in unserer Neugier einschränken lassen und auch nicht selber einschränken. Denn das passiert unheimlich schnell. Gerade weil wir alle diese Sätze im Kopf haben wie: “Bleib bei der Sache”, “Stell nicht so viele Fragen” und “Du musst nicht alles wissen”. Darum haben wir schnell das Gefühl, dass wir mit unserer Neugier vom Weg abkommen. Wenn wir etwas untersuchen, das nicht direkt zum Thema oder zur Aufgabe gehört, dann wirkt das überflüssig. Das ist so was ganz stark in unserem Denken verwurzeltes, dass man nichts überflüssiges machen soll, nichts lernen und sich nicht mit Fragen beschäftigen, die nicht “zur Sache tun”. Doch wie entscheidet man denn, was zur Sache tut? Denn wenn man mit etwas Einzigartigem beschäftigt ist, wenn wir unsere einzigartigen Fragen und Themen verfolgen, in unserem Leben, was eben die Aufgaben von kreativen Menschen ist, dann können wir ja gar nicht wissen, welches der richtige Weg ist und was zum Thema gehört. Wir suchen das Thema ja noch. Wir sind noch auf diesem Weg, überhaupt herauszufinden, was gehört zu unserem Thema. Die allgemeinen Kriterien gelten hier nicht. “Das gehört dazu” und “Das gehört nicht dazu”. Oder “Das ist Kunst” und “Das ist nicht Kunst”, gerade diese Kriterien sollten uns als Kreative eben nicht beschäftigen. Denn Kreativität ist ja oft, etwas verbinden, was davor noch niemand verbunden hat. Über Grenzen hinwegdenken. Lösungen aus anderen Gebieten hinzuziehen. Und etwas tun, das noch niemand versucht hat.

Und unsere Aufgabe als Kreative ist darum, der Neugier zu vertrauen und ihr zu folgen. Und eben nicht auf den gebahnten Wegen zu bleiben. Wenn wir immer auf den gebahnten Wegen bleiben, werden wir nichts Kreatives machen. Wir müssen da irgendwann mal von runter. Und unsere Neugier lockt uns eben immer wieder von den gebahnten Wegen weg, lockt uns, etwas zu untersuchen. Und zwar nicht nur als Kind, sondern auch als Erwachsene und immer wieder. Die meisten Kreativen bleiben nämlich ihr ganzes Leben lang neugierig. Sie haben immer wieder diese Momente, wo sie ein ganz neues Thema untersuchen und wie ein Kind ganz offen auf etwas Neues zugehen, mal was ausprobieren. Und sie haben auch diese vielseitigen Interessen.

VORWÄRTS KOMMEN TROTZ TAUSEND INTERESSEN

Auf deinem Kurs bleiben

Ist ja alles schön und gut mit der Neugier. Aber wie bekomme ich das im Alltag hin, meiner Neugier zu folgen und doch auch mit meinem Vorhaben zu Potte zu kommen? Früher hatte ich Angst, dass wenn meinen Interessen und meiner Neugier folge, dass ich mich dann immer wieder von meinem Kurs abbringen lassen würde. Und nie “etwas Richtiges” machen. Aber inziwschen glaube ich, dass das Gegenteil wahr ist. Dass gerade Menschen, die ihren wirklichen Interessen folgen, am Ende viel eher ihre Projekte in die Welt bringen. Weil sie ja am Kern ihrer Interessen arbeiten, an dem, was ihnen wirklich wichtig ist und sie motiviert. Und nicht an etwas, das ihnen nur auferlegt ist. Wenn man der eigenen Neugier folgt, findet man die eigenen Interessen und damit auch die Kraft und Motivation. Und tut eben genau das, was die eigene Berufung ist und den eigenen Werten entspricht. Und umgekehrt ist es aber auch so, dass wir dadurch, dass wir nicht gelernt haben, unserer Neugier zu folgen, wir unsere inneren Fragen und Themen verwahrlosen. Und unserer inneren Stimme nicht zuhören, die ruft “In die Richtung geht’s! “ Wir arbeiten daher oft nur am Rande unseres wirklichen Interesses, bearbeiten nur einen kleinen Teil unserer inneren Fragen und sind daher auch nicht mit voller Kraft oder eher: mit vollem Herz unterwegs.

Es ist also wichtig, dass wir unsere Neugier wieder reaktivieren, ihr wieder mehr Raum geben und ihr vertrauen, dass sie uns an spannende und wichtige Orte jenseits der gebahnten Wege führen wird. Darum findest habe ich als Kreative Einladung diese Woche ein paar kleine Übungen zum Thema Neugier für dich. Du findest sie im Podcast ab Minute 13:33.